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Fertigstellung eines Bürgerwindparks in der Gemeinde Legden

Ein Bericht von Claudia Berghorn, sensemaker

Legden, 13. Juni 2017. Über die Schotterstraße nähert sich langsam ein Schwerlasttransport. Vorneweg und hinterher fahren blinkende, auffällig gelb markierte Begleitfahrzeuge. Dazwischen ein LKW, bei dem Fahrerhaus und Hinterräder extrem weit voneinander entfernt sind, denn sie stützen, was aussieht wie ein mehr als zehn Meter langes Rohr. Tatsächlich handelt es sich um ein Bauelement der drei Windenergie-Anlagen, die in Legden-Isingort als Bürgerwindpark errichtet werden. 

Bauleiter Thorsten Franke vom Projektentwickler BBWind beobachtet gemeinsam mit Lisa Schulze Niehoff, Geschäftsführerin der Bürgerwind Isingort GmbH & Co. KG, wie das Turmteil am Fundament der neuen Anlage abgeladen wird. Aber dann heißt es warten. „Der Wind ist gerade zu stark“, erläutert Franke, „wir können das Turmteil nur ziehen, wenn die Windgeschwindigkeit konstant unter zehn Meter pro Sekunde bleibt.“ Schulze Niehoff bleibt entspannt. „Alles, was wir planen können, läuft super“, freut sich die Landwirtin, deren Hof in Sichtweite der Baustelle liegt, „nur beim Wetter und bei den Behörden braucht es einfach viel Geduld.“ Denn nach dem schweren Unfall, der sich kürzlich auf der Autobahn beim Transport von Rotorblättern ereignet hat, wurden die Sicherheitsauflagen erhöht und bereits erteilte Transportgenehmigungen zurückgezogen. „Wir arbeiten unter Hochdruck daran, diese Genehmigungen zu erhalten, um den Bau nicht zu verzögern“, erklärt Franke. 

Denn jeder Baustellentag kostet bares Geld: Ein Team von zwanzig Männern ist zurzeit damit beschäftigt, den Bürgerwindpark zu erreichten. Das wichtigste und kostspieligste „Werkzeug“ dabei: der fast 150 Meter aufragende Kran, mit dem die Bauteile hochgezogen werden. Außerdem entscheidet der Zeitpunkt der Inbetriebnahme darüber, wie viel Ertrag der Bürgerwindpark erwirtschaften wird: Im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) von 2014 ist der Strompreis festgesetzt, der pro Kilowattstunde erzielt werden kann. So besagt die im Gesetz festgelegte Degression beispielsweise, dass eine Anlage, die zum 1. Juni 2017 ans Netz geht, über die gesamte Laufzeit knapp über acht Cent pro kWh erhält; einen Monat später sind es nur noch knapp unter acht Cent, und so geht es weiter rapide bergab.

Daher freut sich Familie Schule Niehoff über jeden Fortschritt auf der Baustelle. „In den Geschäftsbereich ‚Erneuerbare Energien‘ einzusteigen, war für uns eine wichtige Zukunftsentscheidung“, betont Lisa Schulze Niehoff. „Unsere Hofstelle besteht nachweislich seit 1545, und seither konnten wir die Familie immer gut durch die Landwirtschaft ernähren“, ergänzt ihr Vater, Hugo Schulze Niehoff. „Aber wir wissen nicht, wie lange das noch möglich ist.“ Durch immer höhere Auflagen und die volatilen Märkte werde es immer schwieriger, verlässliche Erträge mit der Landwirtschaft zu erwirtschaften. Der Bürgerwindpark wird daher ein wichtiges zweites wirtschaftliches Standbein sein, in Ergänzung zu der Bullenzucht mit 400 Tieren, die Familie Schulze Niehoff betreibt. 

Die Gelegenheit für den Einstieg in die ‚Erneuerbaren Energien‘ ergab sich vor zwei Jahren, als die Gemeinde Legden bei der Familie anfragte, ob Interesse an der Beteiligung an einem Bürgerwindpark bestehe, berichtet Lisa Schulze Niehoff. Damals hatte die Gemeinde Windkonzentrationszonen ausgewiesen und auch schon die nötigen Umweltprüfungen durchgeführt. Nach reiflicher Überlegung entschloss sich Schulze Niehoff gemeinsam mit drei Nachbarsfamilien zur Gründung der Bürgerwind Isingort GmbH & Co. KG und zur Errichtung eines Bürgerwindparks mit drei Windenergie-Anlagen. „Von Anfang an hat uns das Konzept eines Bürgerwindparks überzeugt, weil der Erlös in der Region bleibt und auch die Anwohner finanziell beteiligt werden“, erläutert ihr Mann, Berthold Schulze Niehoff. Alle Anwohner in einem 800-Meter-Radius um die Anlage erhalten automatisch eine Vergütung, die an den Erlös des Windparks gekoppelt ist. Zusätzlich hatten die Bürger die Möglichkeit, in den Bürgerwindpark zu investieren und Anteile an der Energiegenossenschaft der Gemeinde zu erwerben. „Die Verzinsung ist deutlich höher als bei jeder Bank und festgeschrieben auf die Laufzeit von 20 Jahren“, erläutert Schulze Niehoff das Erfolgsmodell. Viele Bürger haben diese Möglichkeit bereits genutzt.  Die Akzeptanz der Windenergie-Anlagen in der Region ist entsprechend hoch: Es gab keine Proteste oder Gegendemonstrationen vor Ort, sondern viel Unterstützung für das Projekt.

Entscheidend zum reibungslosen Ablauf beigetragen hat auch die Zusammenarbeit mit der BBWind, betont Lisa Schulze Niehoff. „Von Anfang an hat uns die BBWind in der Projektabwicklung unterstützt, auch im Kontakt mit den Behörden“, erläutert sie. „Nur so konnten wir unseren Bürgerwindpark so schnell vorantreiben.“ Die BBWind ist eine Projektberatungsgesellschaft mit Sitz in Münster, die sich auf den Bau und Betrieb von Bäuerlichen Bürgerwindparks spezialisiert hat. „Noch bevor die Gemeinde auf uns zukam, hatten Projektierer anderer Unternehmen bei uns geklingelt“, blickt Schulze Niehoff zurück. „Heute sind wir sehr froh, dass wir unser Land damals nicht verpachtet haben.“

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